Exploratives Forschungsprojekt · 2020–2022

Die Studie, die ihre ursprüngliche Frage nicht beantworten konnte.

Wir wollten wissen, ob sich eine längerfristige Einnahme von NMN in einer Veränderung des epigenetisch geschätzten Alters widerspiegelt. Der Gesamtdatensatz zeigte keinen erkennbaren durchschnittlichen Effekt. Zugleich ließen methodische Grenzen und nachträglich erkannte Störfaktoren keine belastbare Antwort auf die Wirksamkeitsfrage zu.

Die Forschungsfrage

Kann NMN das gemessene epigenetische Alter verändern?

Ausgangspunkt war eine einfache, aber anspruchsvolle Frage: Würde sich nach mehreren Monaten NMN-Einnahme eine Veränderung zwischen zwei epiAge-Messungen zeigen, die über die erwartbare zeitliche Entwicklung hinausgeht?

Der damalige Test schätzte anhand von DNA-Methylierungsmustern aus einer Speichelprobe ein epigenetisches Alter. Ein solcher Wert ist ein Biomarker: eine rechnerische Annäherung an biologische Vorgänge – nicht der Alterungsprozess selbst und kein unmittelbares Maß für Gesundheit, Lebensdauer oder Verjüngung.

Was tatsächlich durchgeführt wurde

Eine explorative Prä-Post-Beobachtung – keine klinische Wirksamkeitsstudie.

Die Teilnehmenden waren selbstselektierte Kundinnen und Kunden. Sie erwarben ein vergünstigtes Studienbundle und stellten zwei Testergebnisse sowie Angaben zu Einnahme und Begleitumständen zur Verfügung.

01

Ausgangsmessung

Erste Speichelprobe, epiAge-Ergebnis und Fragebogen zu bisheriger NMN-Einnahme, Dosierung, Begleitsupplementen, Erkrankungen und subjektiven Beobachtungen.

02

NMN-Einnahme

Zwei Dosen zu je 50 g NMN gehörten zum Bundle. Die tägliche Dosis und die Applikationsform waren nicht einheitlich vorgegeben, sondern wurden nachträglich erfasst.

03

Zweite Messung

Der zweite Test sollte nach drei, auf Wunsch nach sechs Monaten erfolgen. Unterbrechungen, Begleitsupplemente und subjektive Veränderungen wurden erneut erfragt.

04

Statistische Auswertung

Vorhergesagtes und gemessenes epigenetisches Alter wurden in einem gewichteten linearen Modell verglichen. Für die epiAge-Messung wurde eine Unsicherheit von etwa 2,8 Jahren berücksichtigt.

Methodische Einordnung

Beobachtend · selbstselektierte Stichprobe · keine Kontrollgruppe · keine Randomisierung · keine Verblindung · keine standardisierte Tagesdosis

Das Ergebnis

Im Mittel zeigte sich keine Abweichung vom erwarteten Verlauf.

Eine erste Auswertung vom Mai 2022 umfasste 18 vollständige Fälle und ergab a = 1,001 ± 0,049. In der abschließenden internen Auswertung vom November 2022 standen 26 vollständige Fälle zur Verfügung.

Das gewichtete lineare Modell ergab a = 0,999 ± 0,024. Ein Faktor von 1 entspricht in diesem Modell keinem durchschnittlichen Unterschied zwischen dem vorhergesagten und dem gemessenen zweiten epiAge-Wert.

Die vorliegenden Daten lieferten keinen Nachweis dafür, dass NMN das gemessene epigenetische Alter im Durchschnitt verringerte.

Ein nachträglich erkannter Störfaktor

COVID war ein methodisches Problem – aber nicht die einzige Grenze.

Die Datenerhebung fiel in die COVID-19-Pandemie. Die ursprünglichen Fragebögen erfassten weder SARS-CoV-2-Infektionen noch Impfungen systematisch. Bereits die erste interne statistische Auswertung vom Mai 2022 hielt deshalb fest, dass deren möglicher Einfluss untersucht werden müsse.

Spätere Arbeiten zeigten, dass Infektionen und die damit verbundenen Veränderungen des Immunsystems Schätzungen epigenetischer Uhren beeinflussen können. Auch nach mRNA-Impfungen wurden kurzfristige Veränderungen einzelner Uhren beobachtet – allerdings nicht einheitlich in Richtung einer „Beschleunigung“. Solche Verschiebungen können unter anderem die veränderte Zusammensetzung von Immunzellen widerspiegeln.

Für unseren kleinen Datensatz bedeutete dies: Ein möglicher NMN-Effekt, eine Infektion, eine Immunreaktion, eine veränderte Zellzusammensetzung und normale Messstreuung ließen sich nachträglich nicht zuverlässig voneinander trennen.

Grenzen der Aussagekraft

Warum die Studie die ursprüngliche Frage nicht belastbar beantworten konnte.

  1. 01

    Kleine, selbstselektierte Stichprobe

    Nur 26 Fälle waren vollständig auswertbar. Teilnehmende waren Kundinnen und Kunden, die sich selbst für das Projekt entschieden.

  2. 02

    Keine Kontrollgruppe

    Ohne Placebo- oder Vergleichsgruppe lassen sich zeitliche Veränderungen nicht eindeutig der NMN-Einnahme zuordnen.

  3. 03

    Variable Einnahmebedingungen

    Dosierung, Applikationsform, Einnahmedauer, Unterbrechungen und weitere Supplemente waren nicht vereinheitlicht.

  4. 04

    Nicht erfasste Pandemieereignisse

    Infektionen und Impfungen waren im ursprünglichen Design keine systematisch erhobenen Variablen.

  5. 05

    Messwert ist nicht Alterung selbst

    Eine epigenetische Uhr verdichtet Methylierungsmuster zu einer Schätzung. Kurzfristige biologische Veränderungen können den Wert beeinflussen, ohne eine entsprechende Veränderung des gesamten Organismus zu beweisen.

  6. 06

    Rohdaten nicht vollständig reproduziert

    Die internen Abschlussberichte wurden geprüft. Die Berechnung konnte jedoch nicht anhand der vollständigen anonymisierten Rohdatentabelle unabhängig reproduziert werden, weil diese Tabelle im heute verfügbaren Projektarchiv nicht gefunden wurde.

Geschichte und Finanzierung

Aus einer Forschungsfrage entstand der Anti-Aging-Shop.

NMN und insbesondere zwei epiAge-Tests pro Person waren damals so teuer, dass eine größere Untersuchung nicht vollständig aus privaten Mitteln verschenkt werden konnte. Aus dem Versuch, das Forschungsprojekt zu finanzieren und Teilnehmenden einen vergünstigten Zugang zu ermöglichen, entwickelte sich der AFEGA Anti-Aging-Shop.

Für Vorbereitung und Durchführung der Studie wurden zwei Forschungsaufträge mit einem Gesamtvolumen von 50.000 Euro vergeben.

Allein im Jahr 2020 konnten aus den Einnahmen des AFEGA Anti-Aging-Shops mehr als 60.000 Euro für Forschung und Produktentwicklung der AFEGA Research Group zur Verfügung gestellt werden. Der Shop war damit nicht lediglich als Finanzierungsweg gedacht, sondern ermöglichte die Forschungsarbeit tatsächlich in erheblichem Umfang.

Was wissenschaftlich bleibt

Kein Wirkungsnachweis. Kein Gegenbeweis. Aber ein realer Lerngewinn.

01

Ein Biomarker ist nicht der Prozess

Eine präzise Zahl kann mehr Sicherheit vermitteln, als Studiendesign und biologische Umstände tatsächlich tragen.

02

Störfaktoren müssen vorab erfasst werden

Was nicht systematisch erhoben wird, lässt sich später oft nicht verlässlich kontrollieren – selbst wenn seine Bedeutung erst nach Studienbeginn sichtbar wird.

03

Nicht bestätigte Erwartungen gehören zur Forschung

Wissenschaftliche Redlichkeit zeigt sich auch darin, ein enttäuschendes oder nicht belastbar interpretierbares Ergebnis vollständig offenzulegen.

Die Studie wurde für uns nicht bedeutungslos. Sie wurde zu einem Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Fragen an realen Bedingungen scheitern können – und weshalb gerade dieses Scheitern dokumentiert werden sollte.

Quellen und Prüfstatus

Worauf diese Projektdokumentation beruht.

Personenbezogene Fragebögen und Testberichte wurden nicht veröffentlicht. Für diese Seite wurden ausschließlich anonymisierte, zusammengefasste Angaben verwendet.

Interne Primärunterlagen

  • Historische Teilnahme- und Rekrutierungsseite, 2021
  • Fragebogen Teil 1 und Teil 2
  • Versand- und Teilnahmeinformation zum Studienbundle
  • Statistische Auswertungen vom 13. Mai, 4. Juni und 19. November 2022
  • Forschungsauftrag Teil I und Teil II

Prüfstatus: Dokumente eingesehen. Die vollständige anonymisierte Rohdatentabelle der 26 Fälle lag nicht vor.

Wissenschaftliche Einordnung

Der damalige Projekttext bezeichnete das Vorhaben als erste europäische Humanstudie zu NMN. Dieser historische Prioritätsanspruch wurde nicht unabhängig verifiziert und wird hier deshalb nicht als Tatsache wiederholt.